Parasitaxus ustus (Vieillard) de Laubenfels, comb. nov.
Beschreibung
Die wohl außergewöhnlichste Konifere der Welt ist Parasitaxus usta.
Sie ist in Nouvelle-Caledonie beheimatet, wächst hier auf nur wenigen Standorten und lebt parasitisch auf Falcatifolium taxoides.
Seit etwa 100 Millionen Jahren ist Nouvelle-Caledonie isoliert.
Das erklärt das reliktartige Vorkommen zahlreicher, urtümlicher Pflanzensippen auf der Insel.
Bereits im Jahre 1861 wurde diese Konifere entdeckt - aber erst 1957 als Parasit identifiziert.
Selbst in seiner Heimat ist der nur bis 2 m hoch werdende kleine Strauch nur schwer zu finden.
Er wächst in tropischen Mischwäldern von lichtem Halbschatten bis tiefem Schatten.
Dieses seltene Steineibengewächs lebt fast völlig chlorophyllfrei zu einem locker verzweigten Strauch heran.
Der junge Strauch wächst zunächst straff aufrecht, hat hell-kupferrote , mit Schuppenblättern besetzte Triebe und Zweige.
Bald verändert sich die Kronenform und nimmt eine aufgelockerte, ungeordnete abstrakte Gestalt an, deren Zweige gelegentlich überhängen.
Die Farbe der Schuppenblätter an alten Trieben variiert von dunkel-kupferrot über graurot bis blaurot.
Die Früchte und die äußersten Zweigenden können auch hell-blaurot oder hell-kupferrot bereift sein!
Die dreieckigen, nur bis 2 mm langen Nadeln laufen mit ihrer Basis etwas an der Triebachse herab und bedecken den Trieb vollständig.
An älteren Pflanzenteilen findet nach dem Nadelabfall eine korkartige Peridermbildung statt.
Im Zusammenhang mit dieser korkartigen Veränderung werden auffallend große Lentizellen mit schmutzig-graubrauner Farbe gebildet.
Die männlichen Blütenkätzchen sind 4 mm lang, bis 2 mm dick und sitzen auf einem bis 6 mm langen, beblätterten Stiel.
Die weiblichen Blüten sind 1,4 x 0,4 mm groß und reifen zu bis 4 mm großen, bläulichweiß bereiften, runden Früchten heran.
Der Samen ist kugelig, bis 4 mm dick, innen stark verholzt; gemessen an der Produktion großer Samenmengen müsste die Pflanze in Nouvelle-Caledonie wesentlich häufiger vorkommen.
Die Ursachen hierfür sind nicht bekannt.
Parasitaxus usta ist wurzellos und wächst auf einer anderen Popocarpaceae:
Falcatifolium taxoides.

Falcatifolium taxoides 
Zweig - Nadeloberseite
Foto: © B. Suprin, Noumea

Falcatifolium taxoides 
Zweig – Nadelunterseite
Foto: © B. Suprin, Noumea
Untersuchungen haben ergeben, dass Parasitaxus keine speziellen Kontaktorgane (Haustorien) hat und sogar geringe Mengen an Chlorophyll in der Pflanze enthält.
Die Verbindung zwischen Parasitaxus usta und Falcatifolium taxoides besteht in einem engen Zusammenschluss der Wasserleitungsbahnen (Xyleme).
Ein Einschluss der Leitungsbahnen der Assimilate (Phloeme) ist naheliegend, da bei meinen Feldforschungen 2005 vor Ort nicht nur auf Wurzeln parasitierende Pflanzen gefunden wurden, sondern auch solche, bei denen Parasitaxus usta auch bis 1,5 m Höhe (ohne Verbindung zur Wurzel von Falcatifolium taxoides) festverwachsen am Stamm von Falcatifolium vorkam. (Es handelte sich um einige wenige Exemplare an einem Ort, an welchem auch weitere wurzelparasitierende Pflanzen vorkamen.)
Aufgrund der Seltenheit von Parasitaxus usta wurde es bewusst unterlassen, an gesunden Exemplaren weitere Untersuchungen durchzuführen!
Es war jedoch möglich, an einem abgestorbenen Exemplar von Falcatifolium eine sehr enge Verbindung der Phloeme zwischen Parasitaxus usta und Falcatifolium taxoides festzustellen (siehe Abbildungen).
Eine Verbindung vom Infektionsherd in 1,5 m Höhe zum Wurzelbereich war nicht erkennbar.
Die Verbindung der Phloeme beider Arten hat sich nur unwesentlich über das Niveau der Stammrundung erhoben.
Die Sonderstellung von Parasitaxus usta unter den Koniferen hat zur Folge, dass in Unkenntnis der Lebensumstände versucht wird, diese seltene Konifere immer wieder am Naturstandort auszugraben.
Leider ist diesen Menschen ihre eigene Dummheit nicht bekannt, sonst würden sie die Vernichtung dieser botanischen Rarität unterlassen.
In Würdigung dieser Sonderstellung hat die neukaledonische Verwaltung dieser außergewöhnlichen Pflanze 1989 eine eigene Briefmarke gewidmet:

Parasitaxus usta 
Briefmarke zu Parasitaxus, Podocarpaceae
Nouvelle-Caledonie
Der Endemismus in der neukaledonischen Pflanzenwelt ist weltweit ein Begriff.
Zur Erhaltung dieser seltenen Pflanzen wurde u.a. auch Parasitaxus usta unter besonderen Schutz gestellt.
Nach IUCN der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ ist Parasitaxus usta in der Schutzstufe 2 "most vulnerable","höchst verwundbar" geschützt.
H. Nimsch, August 2009
Literatur
FEILD, T. S. + BODDRIBB, T. J. 2005
A unic mode of parasitism in the conifer coral tree Parasitaxus ustus ( Podocarpaceae )
MUSSELMAN, LYTTON JOHN + KÖPKE, E. and DE LAUBENFELS, D. J., 1981
Studies on the anatomy of Parasitaxus ustus and its root connections
DE LAUBENFELS, D. J., 1959
Parasitic conifer found in New Caledonia
STOCKEY, R. A. + KO, HELEN and WOLTZ, P., 1995
Cuticle micromorphology of Parasitaxus,
de Laubenfels
WOLTZ, P. R., STOCKEY, A., GONDRAN, M. and CHERRIER, J. F., 1994
Interspecific parasitism in the gymnosperms: unpublished data on two endemic New Caledonian Podocarpaceae using scanning electron microscopy
SIUC College of Science 2006
Is Parasitaxus Parasitic? http://www.parasiticplants.siu.edu/parasitaxus.html
IUCN 2006
Red List of Threatened Species

Parasitaxus usta,
Früchte 
Foto:© Daniel & Irene Létocart, Nouvelle-Calédonie

Parasitaxus usta 
Reife Früchte
Foto:© Daniel und Irene Létocart, Nouvelle-Calédonie

Falcatifolium taxoides 
Am Stamm in 1,50 m Höhe fest mit
dem Kambium verwachsene Pflanze von
Parasitaxus usta
Foto:© B. Suprin, Noumea
|
Dacrydium ustum
Vieillard, Ann. Sci.Nat. Bot. ser. 4, 16 : 56 (1861).
Carriere, Traité Conif. ed. 2 : 697 (1867)
Podocarpus ustus
(Vieillard) Brongniart & Grisebach, Ann. Sci. Nat. Bot. Paris ser. 5, 6 : 243 (1866); Bull. Soc. Bot. France 13 : 426 (1866).
Parlatore, in DC., Prodr. 16 (2) : 520 (1868).
Gordon, Pinetum ed. 2 : 358 (1875).
Pilger, in Engler, Pflanzenreich 4 (5) : 58 (1903).
Guillaumin, Bull. Mus. Hist. Nat. Paris 18 : 100 (1912).
Dallimore & Jackson, Handbook Conif. : 58 (1923).
Florin, Svenska Vet. Akad. Handl. ser. 3, 10 : 270 (1931); Paleontographica 85 (B) : 577 (1944).
Sarlin, Bois et Forets Nouv. Caléd. : 93, tab. 28 (1954).
Gray, Journ. Arnold Arb. 41 : 36 (1960).
Zitation der Literatur über Parasitaxus ustus nach alter Schreibweise – die richtige Schreibweise lautet Parasitaxus usta!
Frutex ramosissimus monoicus parasiticus.
Folia parva squamiformia membranosa purpurea.
Strobili masculi solitarii parvi ovales.
Strobili feminei terminales ramulo foliorum longiorum.
Ovulum inversum epimatio contectum.
Semen globosum, ad exteriorem carnosum, interiore lignosum.
(Nach D. J. de Laubenfels)

Parasitaxus usta
Erwachsene Pflanze am Stamm von
Falcatifolium taxoides
Foto:© B. Suprin, Noumea

Parasitaxus usta
Verbreitungsgebiet in Nouvelle-Calédonie
Nach de Laubenfels

Wurzelsystem von Falcatifolium taxoides
(Stammabschnitt, links) und
darauf wachsendem Parasitaxus usta (rechts)
Nach E. Köpke, L. J. Musselman &
D. J. de Laubenfels:
Studies on the anatomy of Parasitaxus ustus
and its root connections

Parasitaxus usta (Vieill.) de Laub.
Habitus, Blütenzweig, Zapfen,
Zapfenschuppe(microsporophylle), dorsal und lateral, Frucht
Nach de Laubenfels

Stammfußverbindung von
Falcatifolium taxoides (links) mit
Parasitaxus usta (rechts)
Foto:© B. Suprin, Noumea

Parasitaxus usta
Neuaustrieb an älterem Zweig
Foto:© B. Suprin, Noumea

Parasitaxus usta
Austriebe von Parasitaxus aus
dem Wurzelbereich von
Falcatifolium taxoides
Foto:© Maurice Schmid, Paris

Parasitaxus usta
Jungpflanze, auf den Wurzeln von
Falcatifolium taxoides parasitierend
Foto:© B. Suprin, Noumea

Falcatifolium taxoides
Aus dem Stamm in
einem und in anderthalb Meter Höhe
herauswachsende, direkt mit dem
Kambium verbundene Pflanze von
Parasitaxus usta
Foto:© H. Nimsch

Parasitaxus usta
Erwachsene Pflanze am Stamm von
Falcatifolium taxoides
Foto:© B. Suprin, Noumea |