Glyptostrobus pensilis (Staunton ex
D. Don) K. Koch
Die monotypische Gattung Glyptostrobus wird heute zur Familie der Cupressacaea, Sub-Familie Taxodioideae gezählt.
Geschichtliche Entwicklung
Die geschichtliche Entwicklung der Gattung reicht mehr als 100 Mill. Jahre zurück.
Ihre weite Verbreitung über Europa, Asien und Amerika reduzierte sich schon vor den Eiszeiten und setzte sich während der Eiszeiten fort.
Mehrere fossile Glyptostrobus-Arten wurden auf der Nordhalbkugel gefunden und beschrieben, darunter auch die Art Glyptostrobus europaeus BRONGNIART aus dem Tertiär.

Glyptostrobus europaeus BROGN. 
Aus dem Tertiär: Zweig mit Zapfen
aus GOTHAN et WEYLAND
Die heutige natürliche Verbreitung ist auf wenige, sehr kleine Standorte in Südchina und auf zwei kleine Standorte in der Provinz Dac Lac in Vietnam reduziert.
Die geringe, künstliche Verbreitung im Süden Chinas ist auf Kleinbestände beschränkt.
Eine natürliche Regeneration findet nicht statt und ein weiterer Rückgang der Verbreitungsfläche wird stattfinden.
Der Baum gilt in SW-China als Glücksbringer für die Familie und die Reisernte – diesem Umstand ist die Pflanzung, die Verbreitung und der Schutz der Art als `Kulturbaum` zuzuschreiben.
Nach IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) ist die Art in die Schutzstufe 2 „most vulnerable“ eingeordnet.
Verbreitung
Die natürliche Verbreitung liegt zwischen 22° und 26° nördlicher Breite.
Die künstliche Verbreitung der Art beschränkt sich auf die Fluß-Deltas im tropischen, monsunbeeinflussten Süden Chinas, die identisch sind mit den Reisanbaugebieten.
Hier dient der Baum mit dem intensiven Wurzelsystem gleichzeitig als Erosionssicherung und Stabilisator der die Reisfelder umgebenden Dämme und als Windschutzpflanzung.
Glyptostrobus kann ganzjährig in bis 60 cm tiefem Wasser wachsen.
Die Niederschlagsmenge differiert im Verbreitungsgebiet zwischen 1300 mm und 1800 mm.


Verbreitungsgebiet von Glyptostrobus pensilis 
aus: Enzyklopädie der Holzgewächse, 1997
Wiley-VCH Verlag, Weinheim
Beschreibung
Der sommergrüne Baum wird 20 m (max. 30m) hoch, wird 60 bis 70 cm (max. 120 cm) stark, hat eine konische Krone mit waagerechten oder nach unten hängenden, älteren Ästen und spitzwinklig aufrechten, jüngeren Ästen und bildet Lang- und Kurztriebe aus.
Zur guten Entwicklung braucht die Pflanze volles Sonnenlicht.
Die oft am gleichen Baum vorkommende Dreigestaltigkeit der Blätter zeigt sich durch
- die 3 mm langen Schuppenblätter an grünen Langtrieben, die mit weißen Spaltöffnungsflecken gezeichnet sind, so dass der Baum auch im Winter grün erscheint
- die bis 3 cm langen, nadelförmigen, zweizeilig angeordneten Blätter sind zunächst hellgrün und verfärben sich zu einem leuchtenden Braunton, bevor sie zusammen mit den Kurztrieben im Winter abfallen und
- die pfriemlichen, 4 bis 10 mm langen, leicht gekrümmten, radial abstehenden Blätter, die ebenfalls zusammen mit den Kurztrieben im Winter abfallen.
Die China Zypresse ist monözisch, die Blütezeit ist von Januar bis März, die Reifezeit von September bis zum März des nächsten Jahres.
Die ovalen, gelblichgrünen ♀ Zapfen sind 12 bis18 mm lang, sie enthalten bis 10 Samen, die mit einem 3 mm langen Flügel versehen sind.
Pro Keimling werden 4 bis 5 Kotyledonen gebildet.
Die Chromosomenzahl beträgt wie bei Metasequoia 2n = 22.
Glyptostrobus bildet, wie die Gattung Taxodium, im Ausdehnungsbereich der Krone Wurzelknie’ aus, die jedoch nur 70 cm über Niveau erreichen und in deutlich geringerer Zahl gebildet werden.
Die ständig im Wasser bzw. im Sumpf stehenden Bäume haben einen verdickten, senkrecht gefurchten Stammfuß.

Glyptostrobus pensilis 
Verdickter Stammfuß
Foto:© home and garden
Sie wachsen auf unterschiedlichen Böden, gedeihen aber am besten auf alluvialen Standorten mit hohem Wasserangebot und einem ph-Wert zwischen 7 und 8.
Bei geeigneten Standortsbedingungen kann Glyptostrobus schneller als Taxodium distichum und Taxodium mucronatum wachsen (im Jugendstadium bis 100 cm je Jahr).
Die Rinde hat eine orange bis rotbraune Farbe, sie wird im Alter dunkelbraun und löst sich in Streifen ab.
Die frühere Verwendung des Holzes für Bauzwecke hat ihre vormalige Bedeutung verloren.
Der Status des Glücksbringers verhindert, dass diese Bäume genutzt werden.
Das Holz ist gegen Insekten und gegen Feuchtigkeit resistent und ist leicht zu bearbeiten.
Die China Zypresse gilt aufgrund ihrer heimatlichen, klimatischen Gegebenheiten in Mitteleuropa als nicht winterhart.
Sie wird hinsichtlich ihrer Winterhärte in die Stufe 8 bis 9 USDA eingeordnet.
Ein Auspflanzungsversuch im Freiburger Arboretum ergab, dass die Pflanze zwar mehrere Jahre die Winter ungeschützt überstanden hat, jedoch keine Höhenentwicklung vollzogen hat.
Im Schutz des Glashauses haben recht junge Pflanzen jedoch regelmäßig Zapfen produziert.
Literatur
China Plant Red Data Book, 1992
Science Press Beijing, New York
Flora Reipublicae Popularis Sinicae, 1978
Tomus 7, Wissenschaftlicher Verlag Beijing
Enzyklopädie der Holzgewächse, 1997
ecomed Verlag, Landsberg/ Lech
Monographie der Familie Taxodiaceae, 1996
Verlag H. Hansmann, Rinteln
H. Nimsch, Juli 2009

Glyptostrobus pensilis 
Habitus eines alten Baumes, Süd-China
Foto:© H. Nimsch |